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Astma & Schwangerschaft


Wenn asthmakranke Frauen schwanger werden:
Medikamente schützen das Ungeborene

Eine Asthmaerkrankung sollte für Frauen kein Grund sein, auf einen Kinderwunsch zu verzichten, schreiben zwei ausgewiesene Experten in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008). Voraussetzung sei allerdings, dass die Asthmaerkrankung ausreichend durch Medikamente kontrolliert ist, denn jeder schwere Asthmaanfall gefährde auch die Gesundheit des Ungeborenen.

Es kommt keineswegs selten vor, dass Asthmatikerinnen schwanger werden. Mit einer Häufigkeit von bis zu 8,4 Prozent ist Asthma sogar die häufigste schwere chronische Lungenerkrankung während der Schwangerschaft, berichtet Professor Adrian Gillissen von der Robert-Koch-Klinik der Universität Leipzig. Tatsächlich komme es bei jeder dritten Patientin sogar zu einer Verschlimmerung des Asthmaleidens. Die Patientinnen müssten deshalb ihre Medikamente, die Asthmaanfälle vermeiden, während der Schwangerschaft konsequent weiter benutzen.

Die meisten Asthmatiker benutzen mehrere Sprays, die Kortison oder so genannte Beta-Sympathomimetika enthalten. Kortison hemmt die Entzündung, die der Asthmaerkrankung zugrunde liegt. Die Beta-Sympathomimetika weiten die Atemwege und verbessern so die Lungenfunktion.

Die Angst vor dem Kortison-Spray ist nach Angabe von Professor Gillissen auch bei Ärzten verbreitet, aber nicht berechtigt. Zwar sei das Risiko von Fehlbildungen bei Verwendung von Kortisonsprays mit neun Prozent leicht erhöht. Der Verzicht auf dieses wirksame Mittel könne dem Ungeborenen jedoch größeren Schaden zufügen. Denn wenn es zum schweren Asthmaanfall kommt, leidet nicht nur die Mutter unter schwerer Atemnot. Auch das Kind bekommt zu wenig Sauerstoff, was es aufgrund geringerer Reserven weniger gut verkraftet als die Mutter. Eine unzureichende Asthmabehandlung der Mutter kann laut dem Experten zu Wachstumsstörungen des Ungeborenen oder auch zur Frühgeburt führen. Zu leiden hat auch die Schwangere: Übelkeit und Erbrechen, aber auch eine Schwangerschaftsvergiftung, die Gestose, sind häufiger.

Professor Gillissen: Jeder Asthmaanfall während der Schwangerschaft ist ein Notfall, der im Krankenhaus behandelt werden muss. Dort kümmern sich dann neben den Lungenspezialisten auch Frauenärzte um Mutter und Ungeborenes. Eine Überwachung mit Ultraschall und Aufzeichnung von Wehen und Herztönen des Kindes, die Kardiotokografie, ist Pflicht, schreibt Professor Jörg Baltzer, vor seinem Ruhestand langjähriger Direktor der Frauenklinik Krefeld. Die meisten Schwangeren mit Asthma könnten normal entbinden. Ein Asthmaanfall in den Wehen sei sehr selten, da der weibliche Organismus unter dem Geburtsstress vermehrt Kortisol bilde. Probleme könnten nur die Beta-Sympathomimetika bereiten. Die gleichen Wirkstoffe setzen die Gynäkologen nämlich zur Wehenhemmung ein. Dies sei möglicherweise der Grund, warum sich die Geburtshelfer bei Asthmatikerinnen häufiger für einen Kaiserschnitt entscheiden, schreibt Professor Baltzer.

Der Gynäkologe rät den jungen Müttern auch zum Stillen. Es könne der Veranlagung zu Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma entgegenwirken, die viele Kinder von ihrer asthmakranken Mutter geerbt haben. Auch hier sollten sich die Patientinnen an die Regeln für Gesunde halten. Nach einem halben Jahr könnten sie ihr Kind abstillen. Langzeitstillen habe vermutlich keine vorbeugende Wirkung gegen Asthma.

A. Gillissen, H. Worth:
Asthma in der Schwangerschaft.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (39): S. 1977-1980

J. Baltzer:
Asthma bei Schwangeren – ein nicht zu unterschätzendes Risiko für Mutter und Kind.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (39): S. 1981


Quelle: Thieme Verlagsgruppe im Oktober 2008

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