„Kinder im Krankenhaus“ feiert 40jähriges Jubiläum
• „Von einer kindgerechten medizinischen Versorgung ist Deutschland noch meilenweit entfernt“ (Julia von Seiche-Nordenheim, Vorstandsvorsitzende des Aktionskomitees „Kinder im Krankenhaus“ AKIK)
• Elf Forderungen an die Politik, um den kleinen Patienten das Leben zu erleichtern
Frankfurt am Main/Regensburg, 5. November 2008 – „Lass mich bitte nicht allein!“ – Auf diesen Hilferuf von Kindern, die ins Krankenhaus eingeliefert werden, reagiert das AKIK Aktionskomitee Kind im Krankenhaus Bundesverband e.V. seit nunmehr 40 Jahren. Die Elterninitiative wurde 1968 mit dem Ziel gegründet, den Krankenhausaufenthalt der kleinen Patienten so kindgerecht wie möglich zu gestalten, um die Angst zu lindern und damit auch den Genesungsprozess zu fördern.
„Seitdem hat sich in den Krankenhäusern vieles zum Guten verbessert. Aber von einer kindgerechten medizinischen Versorgung ist Deutschland auch heute noch meilenweit entfernt“, konstatiert die Vorstandsvorsitzende des AKIK, Julia von Seiche-Nordenheim, anlässlich des 40jährigen Jubiläums des Aktionskomitees. Angesichts der allgegenwärtigen Kostendämpfung im Gesundheitswesen sei sogar seit einiger Zeit eine Verschlechterung der Situation der Kinder in deutschen Krankenhäusern zu beklagen, sagt Julia von Seiche-Nordenheim.
Der akute Bettenmangel in Kinderkliniken verschärfe sich, so dass immer mehr kleine Patienten in Erwachsenenabteilungen untergebracht würden und die notwendige Einbindung der Eltern zu kurz komme. „Kinder brauchen mehr als die richtige Operation und die korrekte Medikation, um die für sie besonders schwere Zeit im Krankenhaus bestmöglich zu überstehen“, erklärt die AKIK-Bundesvorsitzende.
Das AKIK Aktionskomitee Kind im Krankenhaus Bundesverband e.V. hat elf Forderungen an Politik und Gesellschaft postuliert, um die Situation der Kinder zu verbessern:
1. Kinderkliniken bzw. Kinderabteilungen müssen in Deutschland flächendeckend vorgehalten werden
2. Es werden interdisziplinäre Zentren für spezielle Erkrankungen von Kindern benötigt
3. Im Notfall ist die kindgerechte Erstversorgung sowie der Transport sicherzustellen
4. Die Fallpauschalenvergütung für Krankenhäuser ist den besonderen Erfordernissen kranker Kinder anzupassen
5. Die Eltern-Mitaufnahme muss jederzeit und überall kostenfrei möglich sein
6. Kinderkliniken/-abteilungen sind kindgerecht einzurichten
7. Der Staat hat regelmäßige kinderärztliche Untersuchungen bis zum 14. Lebensjahr pflichtmäßig sicherzustellen
8. Die Entwicklungsförderung kranker Kinder durch den Einsatz von Therapeuten, Heil- und Sozialpädagogen sowie Lehrern in Kinderkliniken/-abteilungen ist zu gewährleisten
9. Chronisch kranke Kinder und deren Familien müssen besondere Unterstützung erfahren
10. Tagesklinische Behandlungseinrichtungen, Nachsorge und ambulante Kinderkrankenpflege sind bundesweit flächendeckend vorzuhalten
11. Zudem liegt dem AKIK die Entlastung von Familien durch die Steuerfinanzierung aller Gesundheitskosten für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr am Herzen.
„Das Recht auf einen eigenen Kinderklinikplatz ist unter anderem in der EACH-Charta für die Rechte von Kindern im Krankenhaus der European Association for Children in Hospital festgelegt, die auf der UN-Charta basiert. Man muss auch nach 40 Jahren AKIK nüchtern feststellen, dass Deutschland hinter dieser Charta weit hinterherhinkt“, resümiert Julia von Seiche-Nordenheim.
AKIK: Der AKIK-Bundesverband und seine Ortsgruppen setzen sich für die bestmögliche medizinische, pflegerische, therapeutische, pädagogische und psychosoziale Behandlung akut und chronisch-kranker Kinder im Krankenhaus ein. Zahlreiche Aktivitäten verfolgen das Ziel, kranke Kinder und ihre Familien in deren schwieriger Situation zu unterstützen. Der AKIK verfasste zusammen mit anderen europäischen Schwesterverbänden die EACH (European Association for Children in Hospital)-Charta. Darin werden basierend auf entsprechenden Artikeln der UN-Kinderrechtskonvention in zehn Punkten die Rechte von kranken Kindern im Krankenhaus und deren Umsetzung beschrieben. Der AKIK ist initiativ sowohl für die Zeit vor als auch während und nach dem Krankenhaus-Aufenthalt eines Kindes.
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Julia von Seiche-Nordenheim, Bundesvorsitzende/Presse-Sprecherin
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