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Ich sage, was ich meine


Ich sage, was ich meine: Mit Kindern gerecht sprechen
Cornelia Schinzilarz

Kinder entwickeln ihr Sprachgefühl und ihren Wortschatz leicht, wenn mit ihnen gesprochen wird. Für Eltern bedeutet diese Erkenntnis, dass Sie viel mit Ihren Kindern sprechen und am besten sprechen Sie so mit Ihren Kindern, dass diese dadurch in ihrer Entwicklung unterstützt werden.

Die Sprachentwicklung des Kindes beginnt schon in den ersten Monaten nach der Geburt. Sie lernen sehr früh den Sprachrhythmus und die Grundstruktur der Sprache. Nach und nach eignen sich Kinder Wörter an, indem sie die Wörter, die sie von den Eltern hören nachsprechen oder indem sie nach der Bezeichnung der Gegenstände fragen. Zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr lernen Kinder rund 50 Wörter. Von da an geht die weitere Aneignung von Wörtern sehr schnell. Nach und nach verstehen die Kinder auch den Sinn der Wörter. Mit dem 4. Lebensjahr kennen Kinder ungefähr 2000 Wörter, die sie bis zum Eintritt in die Schule auf ungefähr 3500 Wörter steigern.

Im folgenden will ich Ihnen zwei Beispiel nennen, wie Sie mit Ihren Kindern sprechen, so dass diese sich ein gutes Sprachgefühl und einen reichhaltigen Wortschatz erschaffen können.

Ein Grundsatz im Gerechten Sprechen ist, das wir sagen, was wir meinen und meinen, was wir sagen. Dieser Grundsatz ist ganz wesentlich in den Gesprächen mit Kindern. Denn nur, wenn wir tatsächlich meinen, was wir sagen, können Kinder über Nachahmung neue Wörter in ihrer Bedeutung lernen. Wenn wir zum Beispiel über Gefühle mit den Kleinen sprechen, ist es notwendig diese auch zu benennen. Hier gibt es eine grosse Anzahl von Begriffen, die allein die Abwesenheit eines Gefühls benennen: unglücklich, angstfrei, hoffnungslos, hilflos. Mit diesen abwesenden Wörtern werden Kinder darin gehindert Wortbedeutungen zu erkennen, da zum Beispiel „unglücklich“ nur bedeutet, dass das Glück gerade weg ist. Was jedoch wirklich gefühlt wird, wird verschwiegen. Vielleicht ist Mama ja gerade traurig oder fühlt sich einsam oder ist richtig wütend. Damit ein Kind Gefühle verstehen lernt, ist es notwendig diese ganz genau und in ihren Anwesenheiten – also das, was wirklich gefühlt wird – auszudrücken.

Sprechen Sie also mit Ihren auch schon sehr kleinen Kindern, Ihren gerade geborenen Babys über ihre Gefühle. Sie erzählen von den Gefühlen, die Sie haben, wenn Sie sie betrachten oder wenn Sie sich alleine fühlen oder wenn Sie gerade überschäumend glücklich oder wenn Sie wütend sind. Denn dann lernen diese kleinen Kinder schon jetzt für ihr langes Leben, Gefühle zu benennen und so auszudrücken, dass sie ihnen hilfreich sein werden.

Eine weitere wichtige Erkenntnis im Gerechten Sprechen ist, dass Sprache Wirklichkeiten beschreibt und auch Wirklichkeiten erschafft. Beschreiben Sie Ihr Kind als niedlich, herzig und lieb, erkennen Sie es auch als niedlich, herzig und lieb. Beschreiben Sie es als eigenwillige kleine Persönlichkeit, dann erkennen Sie es auch als eigenwillige kleine Persönlichkeit. In diesem Zusammenhang hat das kleine Wort „müssen“ eine besondere Bedeutung. Wenn wir etwas müssen, bedienen wir damit in unserem Gehirn die Fähigkeit der Anpassung und nur diese. All unsere weiteren Fähigkeiten wie kreatives Denken, spielerisches Denken, analytisches Denken legen wir schlafen. Wenn Sie also sagen: Ich muss meine kleine Lisa waschen. Ich muss meinen kleinen Claus ins Bett bringen. Dann funktionieren Sie allein in der Fähigkeit der Anpassung. Und wenn dann Lisa Wasser hasst und schreit, wenn sie gewaschen wird, heisst es dann: Du musst doch sauber sein. Du musst gewaschen werden. Und Lisa schreit noch lauter, da in ihrem kleinen Gehirn der Bereich der Anpassungsleistungen noch ganz offen ist, da er erst viel später ausgebildet wird. Lisa weiss ganz sicher eines: Wasser ist nass. Jetzt sind Sie als Eltern gefragt. Wie erklären Sie Ihrer kleinen Lisa, dass Wasser etwas ganz Tolles ist und dass sie gewaschen werden will? Und hier haben wir das kleine Zauberwort „wollen“. Dieses Wort ist grundsätzlich wichtig und im Umgang mit Kindern etwas ganz zentrales. Sie wollen Lisa waschen und Sie wollen, dass sie er gern hat. Mit dem Wort „wollen“ wecken erwachsene Menschen ihr ganzes Gehirn, denn wollen birgt Entscheidungen in sich und für diese brauchen wir das ganze Potential unseres Denkens. Wir sind dann sowohl anpassungsfähig als auch kreativ als auch spielerisch als auch in der Lage die Situation zu analysieren. Und dann kommen Sie viel eher auf die Idee, Lisa mit Spass an der kleinen gelben Ente ins Wasser zu locken oder ihr unter Anwendung von Gefühlswörtern zu erklären, wie schön es im Wasser ist. Für die kleine Lisa bedeutet es, wenn sie wollen hört, dass ihr kleines Gehirn sich ganz angesprochen fühlt und es sich vielfältig und breit verzweigt zusammensetzen wird.

Mit anderen Worten verhelfen Sie mit dem kleinen Wort „wollen“ Ihren Kindern zu mehr Denkmöglichkeiten. Viele von den jetzigen Eltern sind noch gross geworden mit Sprüchen wie „Hast du was zu wollen, gibt’s was auf die Bollen.“ Lange Zeit wurde ein Kind, welches etwas will gemassregelt oder gar bestraft. Heute wissen wir, das gerade das Wollen Kinder in ihren Entwicklungen unterstützt. Streichen Sie also bitte das Wort „müssen“ aus Ihrem Sprachgebrauch. Sie führen sich und Ihre Kinder zu mehr Denkmöglichkeiten, wenn Sie wollen.

Näheres zu den beiden Hinweisen finden Sie in:

Cornelia Schinzilarz
Gerechtes Sprechen: Ich sage, was ich meine.
Das Kommunikationsmodell in der Anwendung
In den Kapiteln: Gefühlsgerechtes Sprechen und Entscheidungsgerechtes Sprechen

 
Gebundene Ausgabe: 254 Seiten
Verlag: Beltz; Auflage: 1 (März 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3407364547
ISBN-13: 978-3407364548
Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14 x 2 cm


Cornelia Schinzilarz
KICK Institut für Caoching und Kommunikation, www.kick.dich.ch


 

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