
Einzelfälle oder generelles Problem?
Schnelltests für Kinderspielzeug auf toxische Elemente waren in Berlin und Frankfurt leider positiv
Die Firma AnalytiCON Instruments aus Rosbach (Hessen) führte im Oktober in Berlin unter dem Funkturm und in Frankfurt an der Konstabler Wache Spielzeugtests durch, um herauszufinden, ob die spektakulären Rückrufaktionen von Kinderspielzeugen nur Einzelfälle sind, oder ob es sich doch, wie vermutet, um ein generelles Problem handelt.
Die lokalen Medien hatten ihre Leser, bzw. ihre Zuhörer eingeladen, Spielzeuge aus ihren Kinderzimmern zur mobilen Teststation zu bringen, um sie dort kostenlos untersuchen zu lassen.
Beunruhigend war, dass immerhin etwa bei jedem 30. der untersuchten Spielzeuge Giftstoffe festgestellt werden mussten. Gefunden wurden die Schwermetalle Blei, Cadmium und Chrom.
Sowohl Blei selbst als auch seine anorganischen Verbindungen sind toxisch. Gefährlich ist vor allem eine kontinuierliche Aufnahme kleiner Mengen. Anorganische Bleiverbindungen reichern sich dann in Knochen, Zähnen und den Haaren an. Ihre Halbwertszeit im menschlichen Körper beträgt mehr als 20 Jahre. Blei schädigt die Nieren, die Blutbildung und das Nervensystem. Organische Bleiverbindungen werden schnell durch die Haut und die Lunge aufgenommen und gelangen schließlich in das Gehirn. Blei beeinträchtigt die kindliche Intelligenzentwicklung. Alle Bleiverbindungen gelten als fortpflanzungsgefährdend. Spätfolgen sind Parkinsonismus und Lähmungen.
Cadmium und seine Verbindungen sind als „Sehr Giftig“ eingestuft: "Cadmium ist sehr stark Krebs erzeugend", so Prof. Braungart, "gleichzeitig schädigt es vor allem die Nieren, es zerstört das Immunsystem, und Cadmium geht aus dem Körper nicht heraus, sondern reichert sich nur an."
Interessant und auch typisch war eine Situation in Frankfurt: Eine besorgte Großmutter kam mit einer Puppe zum Stand, Sie hatte die Puppe, mit der einst ihre Tochter spielte, auf dem Dachboden gefunden, und wollte sie jetzt ihrer Enkelin schenken. Nachdem in dieser Puppe Cadmium in nicht ungefährlicher Menge festgestellt wurde, eilte sie in ein Fachgeschäft und erwarb dort eine neue Puppe, die von Ökotest als unbedenklich eingestuft worden war. Diese Puppe und ließ sie nochmals mit dem Toy Checker untersuchen. Ergebnis: Frei von Giftstoffen. Damit war zumindest hier das Gefühl von Sicherheit wieder hergestellt. In anderen Fällen, musste jedoch auch bei neuen Spielzeugen direkt aus dem Verkaufsregal festgestellt werden, dass giftige Schwermetalle in Spielzeugen kein Einzelfall sind. Grund zur Entwarnung kann also nicht gegeben werden, zumal dass Weihnachtsgeschäft erst noch bevorsteht.
Schutz vor giftigem Spielzeug möglich?
"Spielzeug-Rückrufaktionen können leicht vermieden werden", behauptet Dipl.-Ing. Alexandros Giannikos, Geschäftsführer der Analyticon Instruments GmbH, Rosbach. Wir haben nachgefragt wie unsere Kinder besser geschützt werden können.
Schwermetalle in Spielzeug sind doch per Gesetz verboten. Warum gelangen denn trotzdem immer wieder giftige Spielzeuge in die Verkaufsregale? Dass Schwermetalle in Spielzeug verboten sind, ist so nicht ganz richtig. Derzeit regelt die aus dem Jahr 1988 stammende DIN 71 Teil 3 den Gehalt von Schwermetallen in Kinderspielzeug. Die darin regulierten Elemente sind Blei, Cadmium, Arsen, Quecksilber, Barium, Antimon, Selen und Chrom. Allerdings sind diese giftigen Elemente nicht grundsätzlich verboten. Im Gegenteil, sie sind sogar erlaubt, solange sie so im Material gebunden sind, dass sie sich durch Magensäure nicht herauslösen lassen. Das ist der eigentliche Skandal, denn der Verbraucher will lieber gar keine Giftstoffe im Spielzeug. Auch nicht, wenn es nicht akut gesundheitsgefährdend für sein Kind ist. Richtiger wäre es, diese gefährlichen Elemente ganz zu verbieten, wie es in den USA oder bei Elektronikprodukten bereits der Fall ist. Sie müssen sich das einmal vorstellen: Heute enthält ein Videorecorder weniger Giftstoffe als ein Kinderspielzeug.
Wenn heute über Gift in Kinderspielzeug geredet wird, dann geht es immer nur um den löslichen Anteil dieser Stoffe. Viele Produkte die in den USA zurückgerufen wurden, können hier ganz legal verkauft werden, da diese Produkte hier gemäß Norm als unbedenklich eingestuft werden müssen. Jetzt werden ja von allen Seiten stärkere Kontrollen gefordert.
Würde das die Sicherheit für den Verbraucher erhöhen?
Natürlich erhöhen Kontrollen die Sicherheit. Sie müssen aber effizient und wirtschaftlich sein, sonst werden sie nur in so geringem Umfang angewendet, dass sie dem Verbraucher keinen wirklichen Schutz bieten. Die Intention des derzeitigen gesetzlichen Prüfverfahrens ist zwar gut gemeint, aber viel zu kompliziert, zu langwierig und sehr teuer. Statt mit einem schnellen Screening viele Proben zerstörungsfrei zu überprüfen, werden einzelne Proben zerstört und dann sehr genau und aufwändig im Labor untersucht. Das ist bei den internationalen Handelsverflechtungen und unüberschaubaren Lieferketten mit einer Vielzahl von Lieferanten und Subunternehmern aber nicht ausreichend.
Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen: Je schwieriger der Nachweis, desto schlechter ist der Verbraucherschutz. Den besten Schutz gewährleistet also ein einfach anwendbares, schnelles und wirtschaftliches Analyseverfahren. Unser neues mobiles High-Tech-Analysegerät, der Toy Checker, setzt genau an diesem Punkt an.
Welche Giftstoffe lassen sich mit Ihren Geräten feststellen?
Wir können alle in der DIN 71 Teil 3 reglementierten giftigen Elemente messen und in nahezu jedem Trägermaterial. Metall, Kunststoff, Stoff, Farbe, Papier, Plüsch, Beschichtungen - alles kein Problem. Der große Vorteil unseres Toy Checkers ist, dass er schnell und zerstörungsfrei arbeitet. Sie halten das Gerät auf die Oberfläche und wissen nach wenigen Sekunden welche Schwermetalle in welcher Konzentration enthalten sind.
Dadurch können Sie an einem Tag tausende Messungen durchführen. Das ist die Idee des Screenings. Nur die auffälligen Proben werden anschließend im Labor nasschemisch untersucht. Dieser zweite Schritt verifiziert das Analyseergebnis und kann feststellen, ob es sich bei den erhöhten Werten auch um lösliche Bestandteile des entsprechenden Giftstoffes handelt. Laboranalysen sind notwendig, es sollte aber durch das Screening mit dem Toy Checker eine vernünftige Vorauswahl getroffen werden. Statt das Budget für Analysen von Spielzeugen zu verpulvern, die gar keine Giftstoffe enthalten, sollte man die Laborkapazitäten durch eine sinnvolle Auswahl besser mit den Proben auslasten, die schon im Screening als auffällig ermittelt wurden. Dieser zweistufige Ansatz ist billiger und schafft mehr Sicherheit für den Verbraucher und am Ende auch für die Industrie.
Viele Spielzeugimporteure lassen sich von ihren Lieferanten garantieren, dass ihre Produkte den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Bietet dies Sicherheit?
Viele Hersteller verzichten bereits heute ganz auf gesundheitlich bedenkliche Stoffe und setzen deutlich strengere Kriterien an, als hierzulande gesetzlich vorgeschrieben sind. Das ist eine ethische Grundsatzfrage. Ich persönlich würde aber keiner Lieferantenerklärung blindlings vertrauen. Auch in China werden Rohstoffe und Lieferanten heute mitunter sogar innerhalb einer Charge gewechselt. Das ist ein großes Risiko. Nach Pressemeldungen blüht in China inzwischen sogar schon ein schwunghafter Handel mit gefälschten Unbedenklichkeitszertifikaten. Wir können einem solchen Zertifikat glauben oder auch nicht - schwarze Schafe gibt es überall. Der europäische Auftraggeber ist per Gesetz verpflichtet hier in Europa die Verantwortung zu übernehmen, da kann er sich nicht auf seinen Lieferanten herausreden. Mit dem Toy Checker kann jeder, der Produkte herstellt und importiert selbst eine große Anzahl Stichproben prüfen und sich so vor möglichen Schäden schützen. Nur wer selbst prüft, weiß auch, wofür er garantiert
© Text / Bild AnalytiCON Instruments GmbH
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