Rauchen während der Schwangerschaft – fahrlässige Schädigung des Kindes
Durchschnittlich raucht jede fünfte Frau während der Schwangerschaft, davon jede zweite der unter 25-Jährigen und insbesondere sozial benachteiligte Schwangere.
Die Folgen sind gravierend: erhöhtes Fehl- und Frühgeburtsrisiko, verringertes Geburtsgewicht, verzögertes Wachstum, häufigeres Auftreten von Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, erhöhte Baby-Sterblichkeit, erhöhtes Leukämie-Risiko, chronische Beeinträchtigung von Lungenentwicklung und vermehrt Asthma.
Schwangere Raucherinnen konsumieren durchschnittlich 13 Zigaretten täglich, was im Verlauf der Schwangerschaft zu einer Schadstoffbelastung von rund 3640 Zigaretten führt. Angesichts dieser Fakten erscheint es dringend geboten, Strategien zu entwickeln und einzuführen, um dem Rauchen während der Schwangerschaft Einhalt zu gebieten. Über ein sehr bemerkenswertes Projekt zur telefonischen Beratung berichtet die Fachzeitschrift "Suchttherapie" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008).
Zu den Schwangeren wird möglichst frühzeitig Kontakt aufgenommen, und zwar über Gynäkologinnen, Hebammen und Geburtskliniken beziehungsweise nach der Geburt über Kinder- und Jugendärztinnen, Mütterberatungsstellen und anderen Einrichtungen.
Diese haben die Aufgabe, die Betroffenen über das Projekt zu informieren und wenn möglich zu motivieren, die dem Projekt-Faltblatt anhängende Einwilligungserklärung direkt zu unterschreiben. Sie wird dann unmittelbar an die Projektzentrale (PATERAS) gefaxt. Anschließend meldet sich innerhalb von drei Tagen eine Beraterin bei der Klientin, und es werden die weiteren Termine für telefonische Kontakte vereinbart.
Die im Projekt beratenen Frauen und Männer haben die Anrufe fast durchgängig positiv aufgenommen, sind gesprächsbereit und freuen sich über telefonische Unterstützung, die den sonst nur selten beschrittenen Weg zu einer Beratungsstelle erspart.
Nach zehn Beratungen waren weit über die Hälfte der Klientinnen beim letzten Kontakt rauchfrei mit einer durchschnittlichen Abstinenzdauer von über vier Monaten.
Allerdings konnten auf diesem Wege bisher nur 93 Klientinnen gewonnen werden, so dass künftig noch mehr Ärztinnen und Einrichtungen die Patientinnen für eine Teilnahme motivieren sollten.
Den Ergebnissen des Projektes zufolge wirkt die ablehnende Reaktion einiger Gynäkologinnen und Apothekerinnen gegenüber dem Einsatz von Nikotinersatzprodukten bei den teilnehmenden Raucherinnen kontraproduktiv.
C. Haasen:
PATERAS – ein Hamburger Praxisprojekt zur Förderung des Nichtrauchens in Schwangerschaft und Säuglingszeit. Suchttherapie 2008; 9 (1): S. 22-25
Quelle: Thieme Verlagsgruppe im Juli 2008