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Ein Geschwisterchen kommt


„Du bist jetzt unsere Große“ oder „Du bist doch schon ein großer Junge“ hören fast alle Erstgeborenen, wenn ein Geschwisterchen unterwegs ist. Spätestens dann, wenn der Bauch bei Mama deutlich sichtbar wird, nehmen sich die Eltern die Zeit, den älteren Kindern die Ankunft eines Babys zu erklären.

Sprüche, wie oben oder „… Du musst das jetzt verstehen“ sind nun an der Tagesordnung. Ein Geschwisterchen zu bekommen bedeutet vor allem für die Erstgeborenen eine große Veränderung ihrer Lebensbedingungen. Es handelt sich hier um einen massiven Einschnitt in das Leben dieses Kleinkindes. Vergessen Sie das bei aller Freude über die erneute Schwangerschaft bzw. das Baby nie. Oftmals geht diese Zeit nicht ohne Eifersucht, Wut gar Trotz einher. Ein völlig normales, ja verständliches Verhalten Ihres Kindes. Vermutlich zum ersten Mal in seinem Leben wird Ihr Kind mit einem „Eindringling“ in seine kleine, heile 3-Menschen-Welt (Mama-Papa-Kind) konfrontiert.

Plötzlich muss es nun die Aufmerksamkeit, Zuwendung und die Zeit der Eltern teilen. Die ganze Welt dreht sich nun um das Baby. Das Baby braucht Tag und Nacht Hilfe sowie jegliche Aufmerksamkeit der Mutter. Auch die des Vaters. Jedoch verstehen die Erstgeborenen die logischen Konsequenzen natürlich nicht als „Hilfe für das Baby“. Sie hören immer, aus jedem Satz der Eltern „DIE/DEN haben sie viel lieber als mich“. Das wird durch Sie lieber Eltern natürlich nicht kommuniziert, aber es kommt bei Ihrem Kind so an.

Vermitteln Sie Ihrem Kind deshalb von Anfang an der Schwangerschaft immer das Gefühl, dass es weiterhin Ihre Liebe und Zuneigung erhält. Dass sich daran – auch nach Geburt des Geschwisterchens – nichts ändern wird. Versuchen Sie bereits in den ersten Wochen einer Schwangerschaft alle Kinder mit einzubinden, stellen Sie eine Verbindung zwischen Baby und Kleinkindern her. Damit haben Ihre Großen seltener das Gefühl, dass sie nicht mehr geliebt werden. Sie verhindern so vielleicht ein aufkeimendes Gefühl von Eifersucht, womöglich Hass und Zorn. Für die Großen ist es schwer zu verstehen, dass die eigene Stelle in der Familie nicht mehr die erste ist. Dass es nun jemand anderen gibt, der ständig umsorgt wird. Kinder grundsätzlich sind so programmiert, dass sie sich freuen, wenn ein Geschwisterchen kommt und doch erfahren sie dadurch vermutlich die erste große Unsicherheit in Ihrem jungen Leben.

Liebe Eltern, gehen Sie spielerisch mit der Situation um und pflegen Sie einen besonders aufmerksamen, liebevollen Umgang zu Ihren „Großen“. Je nachdem wie alt Ihre anderen Kinder sind,  können Sie das Baby als Geschenk für sie ankündigen. Auch die Tag rückwärts zu zählen, z. B. „jetzt musst Du/ihr nur noch sooft schlafen und dann kommt Deine Schwester / Dein Bruder zu uns“ ist eine gute Möglichkeit. Oder kaufen Sie für die Zeit des Geburtstermins ein kleines Geschenk für Ihr großes Kind und erklären Sie ihr/ihm, dass die Schwester oder der Bruder das mitgebracht haben. Sie werden sehen, schon ist alles nicht mehr ganz so schlimm. Auch ein direkter Umgang von Anfang an erleichtert die Ankunft des Babys. Lassen Sie zu, dass auch die großen Kinder das Baby tragen, mit baden oder füttern. Natürlich nicht, ohne dass Sie oder Ihr Partner dabei sind, jedoch auch ohne Vorwürfe, wenn das Baby mal ein wenig Wasser schluckt. Sie werden sehen, auch Ihre großen Kinder werden von Tag zu Tag sicherer im Umgang mit dem Baby. Das schafft eine emotionale Verbindung, verhindert so, dass Eifersucht zu groß werden kann.

Machen Sie sich selbst bewusst liebe Eltern, dass Ihre Großen das Geschwisterchen erstmal nicht gebrauchen können. Zum Spielen nicht tauglich, nachts ständig Schreierei, die Aufmerksamkeit der Eltern immerzu, dass schafft automatisch ein Gefühl von Zurückgesetztheit. Sehen Sie Ihrem großen Kind nach, wenn es nicht immer verständnisvoll ist, wenn es plötzlich Trotzphasen durchlebt, evtl. auch mal in Wut ausbricht. Sie werden, egal wie sehr Sie sich auch bemühen, Eifersuchtsschübe Ihrer Großen vermutlich niemals ganz verhindern können. Grund für alle Reaktionen Ihres Erstgeborenen ist immer Angst. Denken Sie stets daran! Alles was Ihre großen Kinder nun tun, auch wenn es nicht schön ist, Grund dafür ist eine kindliche Angst.

Studien belegen, dass diese Ängste soweit gehen können, dass Kinder in die Annahme verfallen, das sie selbst so „böse“ Kinder sind, oder waren, dass die Eltern sie nicht mehr lieb haben, deshalb ein neues Kind geboren wurde. Auch hier können Sie vorbeugen. Eine Erklärung in die Richtung, dass Sie sich auch freuen, dass Ihr großes Kind nun einen kleinen Freund/eine kleine Freundin hat und die beiden gemeinsam bald spielen können, schafft ein Band.

Es liegt auf der Hand, dass es für Sie, liebe Eltern, nur eine Reaktion auf Ängste Ihres Kindes geben darf. Nämlich die, dass Sie Ihrem Kind besonders viel Zeit widmen, zeigen Sie ihm immer wieder, wie lieb Sie es haben und dass Sie ihm Verständnis für seine Ängste entgegenbringen. Sagen Sie Ihrem Kind auch immer, was Sie besonders toll oder schön an ihm finden. Z. B. Weißt Du denn, dass die Mama Deine blonden Locken ganz besonders toll findet. Oder.  Du bist schon so ein gescheiter Junge, das sieht man daran, dass Du so schlaue Fragen stellst!“ Stellen Sie Ihr Kind auch zu bestimmten Zeiten ganz bewusst und übertrieben in den Mittelpunkt, damit vermitteln Sie ihm ein Wichtigkeitsgefühl. Das braucht es jetzt.

Wichtig ist für Sie auch die Einsicht, dass Sie Ihrem großen Kind niemals das Gefühl vermitteln dürfen, dass ihm das Baby etwas wegnimmt. Sollten Sie wollen, dass der Große auf etwas zu Gunsten des Babys verzichtet, dann schenken Sie ihm dafür etwas anderes. Als Tausch praktisch. Dies z. B. mit den Worten: „Schatzi kuck mal, die Wickelkommode in Deinem Zimmer brauchen wir ja jetzt gar nicht mehr, weil Du ja schon so groß bist und nicht mehr gewickelt werden musst. Wollen wir Sie Deiner kleinen Schwester schenken?“ Dafür sollten Sie Ihrem Kind z. B. ein neues Regal an diese Stelle montieren und dieses Regal als ganz bewusstes Entwicklungsgeschenk verkaufen, vielleicht mit den Worten: „Schau, auf dieses Regal kannst Du nun alle Deine tollen Steine legen, die Du immer sammelst, wenn wir gemeinsam spazieren gehen. Das machst Du ja immer ganz toll. Das kann Deine kleine Schwester noch gar nicht. Willst Du es ihr vielleicht später mal lernen, wenn sie größer ist?“. Auch so schaffen Sie wieder eine Verbindung und vor allem beim Großen das Gefühl „soso, die kann das noch gar nicht! Fein, das kann ich ja viel besser“.

Sie vermitteln so Ihrem Sprössling das Gefühl, das auch die Kleine nicht alles kann, er Anerkennung bei Ihnen hat.

Falls Ihr Kind bereits den Kindergarten oder die Spielgruppe besucht, dann „verkaufen“ Sie ihm das Neugeborene ruhig als „Ätsch-Produkt“ gegenüber anderen Kindern. Vermitteln Sie ihm das Gefühl, dass es etwas ganz Besonderes zu Hause hat und dass andere Kinder so eine tolle Situation nicht haben. Dies natürlich mit besonnenen Worten, damit Ihr Kind die anderen Kinder nicht verletzen kann. Aber doch ruhig als etwas Außergewöhnliches, was nicht alle anderen automatisch haben.

Setzen Sie auch auf den Trumpf, dass im Normalfall die meisten Kinder – trotz aufkeimender Eifersucht – gerne ein Geschwisterchen haben. Kinder untereinander scheinen eine ganz besondere Kommunikationsebene zu haben. Bereits in den ersten Wochen nach der Geburt reagieren Babys auf (Klein-)Kinder anders, als auf Erwachsene. Auch die Verbindung zwischen Geschwistern ist eine ganz eigene. Oft kommt es vor, dass die Kinder sich streiten, ja fast die Köpfe einschlagen und wenn Sie als Elternteil dazwischen gehen und einen der beiden schimpfen, wird Partei für das Geschwisterchen ergriffen.

Ca. mit einem Alter von drei bis dreieinhalb Jahren beim Kleinen werden Sie feststellen, dass sich die Verbindung Ihrer Kinder verstärkt und festigt. Das kleine Kind lernt automatisch vom Großen. Isst plötzlich Dinge nicht mehr, weil der große Bruder das auch nicht mag. Oder will nun Gerichte kosten, nur weil die große Schwester das auch tut.

Natürlich bleiben Streitereien nicht aus. Egal, ob es sich um Spielzeug oder Kleidung dreht. Das wird immer wieder vorkommen. Auch kleine Sticheleien und Eifersuchtsschübe können Sie niemals ganz ausräumen. Aber die grundsätzliche Geschwisterliebe wird in dieser Zeit sehr gestärkt. Unterstützen Sie Ihre Kinder mit alle Ihren Möglichkeiten.

Kinder, die das Gefühl haben, dass sie selbst geliebt sind werden das Gefühl von Neid oder  Eifersucht gut wegstecken, oder lernen damit umzugehen. Das ist wichtig, vor allem in jungen Jahren. Das erleichtert Ihrem Kind später diese fad schmeckenden Gefühle im Jugend- und Erwachsenenalter.

Eine Geschwisterbeziehung wird - ebenso wie die Eltern-Kind-Beziehung eines jeden Kindes - eine ganz außergewöhnliche im Leben dieses Menschen sein. Diese Verbindungen werden ein Leben lang bestehen. Auch Eifersucht und Neid können im Erwachsenenalter anhalten.

2008, babypartner

 

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