Manche Menschen behaupten: "Stillen ist ein natürliches Geschenk der Natur" und für jede Mutter das Non plus Ultra im Zusammenhang mit dem Kinderkriegen. Was aber, wenn eine junge Mutter den - von anderen Müttern so heiß und innig geliebten - engen Körperkontakt mit ihrem Kind nicht mag? Gibt dies Hebammen, Fachleuten und anderen Stillenden das Recht dieses zu verurteilen?
Zweifelsohne ermöglicht Stillen eine sehr enge Verbindung zwischen Mutter & Kind ab der ersten Sekunde des neuen Lebens. Die gleichzeitige Verbindung und das Ernähren stellt hier besondere Bedürfnisse des Kindes eindrucksvoll in den Vordergrund und unterstützt so zusätzlich das Immunsystem des Kindes beim Aufbau. Stillen ist - so sagen Stillanhängerinnen "die Basis fuer eine normale koerperliche, geistige, soziale und emotionale Entwicklung des Kindes".
Aber heißt das auch gleichzeitig, dass Frauen, die ihr Baby nicht stillen wollen, oder aber auch können Rabenmütter sind? Dass diese ihre Kinder geistig, sozial und emotional "verkümmern" lassen und das auch noch mit voller Absicht?
Nein! Sicherlich nicht! Merken Sie sich das und lassen Sie sich auf gar keinen Fall in die Schiene pressen, dass andere Ihnen ein schlechtes Gewissen machen. Egal, ob es sich dabei um ihre Hebamme, Ihren betreuenden Arzt, Ihre Schwiegermutter, oder gar Ihren Mann handelt.
Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen persönlich Stillen nicht gut tut. Dann zwingen Sie sich zu nichts! Natürlich ist die Muttermilch für jedes Neugeborene eine gute Voraussetzung für einen gesunden Start ins Leben. Das haben Sie in den letzten Wochen und Monaten Ihrer Schwangerschaft immer wieder gelesen und zu hören bekommen. Aber sicher ist auch, dass Kinder, die nicht gestillt worden sind (die Gründe hierfür sind an dieser Stelle erstmals zweitrangig) nicht grundsätzlich zu emotionalen Versagern und geistig Zurückgebliebenen.
In der Regel haben die meisten Frauen genug Milch, um ihr Kind ca. sechs Monate voll zu stillen. Auch für Zwillinge, gar Drillinge ist im Normalfall ebenfalls genügend mütterliche Nahrung vorhanden. Nach den ersten Monaten sillen viele Frauen weiter und füttern zusätzlich Beikost. Dies oftmals so lange sie möchten, das Kind danach "verlangt".
Der Körper der Frau produziert die Milch, so lange die junge Mutter stillt; ggf. auch jahrelang! Und - und das ist noch viel wichtiger - sie passt sich meist immer perfekt den jeweiligen Bedürfnissen und Situatinen an, die sich ja von Woche zu Woche verändern. Diese Beduerfnisse verlieren mit der voranschreitenden Zeit nicht ihre Wichtigkeit, nein! Sie verändern sich ganz einfach nur.
Was aber nun, wenn eine Frau überhaupt nicht sillen will! Wenn Sie sich unwohl dabei fühlt und Stillen sie traurig, hilflos und manchmal auch wütend macht.
Nicht jede junge Mutter empfindet den engen Kontakt zu dem Kind als Wonne! Ja, es ist richtig! In der Regel genießt eine junge Mama das Gefühl, dass sie ihr Baby ganz nah bei sich hat und es durch das Stillen zu dieser emotional engen Verbindung kommt. Aber es gibt durchaus auch Mütter, die sich in der Situation nicht wohl fühlen und diese kann man keinesfalls als Rabenmütter bezeichnen.
Beachten Sie auch hier - wie immer von uns empfohlen - hören Sie auf Ihr Gefühl! Gehen Sie sanft mit Ihrem Baby um, denn bestimmt wollen Sie nur sein Bestes! Aber das Beste fürs Baby ist immer auch das Beste für sich selbst.
Wenn Sie feststellen, dass Sie nicht stillen wollen oder können (oftmals steht das Können aber in engem Kontakt zum Wollen), dann stehen Ihnen diverse Möglichkeiten offen. Sind Sie traurig darüber, dass "es nicht klappt"? Fragen und Bitten Sie Ihren Arzt, Ihre Hebamme, aber auch Freundinnen um Hilfe und Unterstützung. Manchesmal ist es mit ganz einfachen Tipps getan und alles flutscht plötzlich wie von alleine.
Falls Sie aber eher grundsätzlich eine ablehnende Haltung zum Stillen haben (die Gründe hierfür sind zweitrangig), dann lassen Sie sich weder zwingen, oder gar nötigen! Tun Sie einfach was IHNEN gut tut und Sie werden sehen, auch Ihr Baby entwickelt sich prächtig. Denn eines ist sicher! Geht es Ihnen nicht gut, dann fühlt sich auch Ihr Kind nicht wohl.
Aus gegebenen Anlass möchte babypartner hier erwähnen, dass wir keinesfalls Stillgegner sind! Aber wir vertreten wie in allen anderen Punkten der Entwicklung des Kindes und beim Wohl für Mutter & Kind immer wieder die Meinung, dass nicht alles für jeden das Beste ist und dass wir Menschen uns nicht grunsätzlich alle Türen immer sofort durch eine engstirnige Haltung zuschlagen sollten.
Was für SIE persönlich das Beste ist, das muss für eine andere junge Mutter noch lange nicht deren Lebensglück bedeuten.
Es wäre schön, könnten wir alle etwas offener sein und jedem seinen eigenen Weg zugestehen! Wie auch immer dieser im Detail aussehen mag!
© babypartner, 2007
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